Die Weiler Fasnet

»Fasnet lebt, der sie in sich trägt«

Die Fasnet in Weil der Stadt ist weit mehr als ein Termin im Jahreskalender. Sie ist gelebte Tradition – tief verwurzelt im Ort und getragen von Menschen, die sie mit Herzblut, Leidenschaft und Gemeinschaftssinn Jahr für Jahr zum Leben erwecken.

Für viele Weil der Städter gehört die Fasnet ganz selbstverständlich zum eigenen Leben dazu. Sie stiftet Nähe, Zusammenhalt und ein Gefühl von Heimat. Am Fasnetssonntag, wenn über dreißigtausend Besucher die Stadt mit Leben füllen, zeigt sich eindrucksvoll, welche Strahlkraft dieses Brauchtum weit über die Stadtgrenzen hinaus entfaltet.

Die Weiler Fasnet ist lebendiges Kulturerbe – nicht, weil es bewahrt werden muss, sondern weil es gelebt wird. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch: das gemeinsame Feiern, das Lachen, die Begegnungen auf Augenhöhe. Genau darin sieht die Narrenzunft »AHA« ihre wichtigste Aufgabe: Menschen zusammenzubringen, Freude und Fröhlichkeit zu verbreiten, Gemeinschaft zu stiften und Offenheit für alle zu schaffen.

Narrenfahrplan der Weiler Fasnet

Fasnetseröffnung

Der 11.11. um 11.11 Uhr

Mit dem 11. November beginnt in Weil der Stadt ganz offiziell die neue Fasnetssaison. Punkt 11.11 Uhr wird der Startschuss gegeben. Symbolisch wird die noch junge Fasnet erweckt: In Gestalt einer kleinen Hexe entsteigt sie der Zunftlade.

An der Fasnetseröffnung nehmen der Siebenerrat, das Ballett, die Narrenkapelle sowie die Zigeuner und Clowns der Narrenzunft teil. Die Maskengruppen bleiben an diesem Tag bewusst noch im Hintergrund: Sie dürfen erst ab dem 6. Januar des darauffolgenden Jahres in Erscheinung treten und ihr Häs anlegen.

Kirchenhistorisch gilt der Martinstag als sogenanntes Schwellen- oder Übergangsdatum. In Anlehnung an die vierzigtägige Osterfastenzeit wurde auch die vorösterliche Fastenperiode bereits früh auf vierzig Tage festgelegt – rückgerechnet vom Erscheinungsfest unter Auslassung der Samstage und Sonntage. Der Martinstag markierte dabei den letzten Übergang vor der Fastenzeit.

So war der 11. November für die Bevölkerung – ganz ähnlich wie die Fastnacht selbst – die letzte Gelegenheit, noch einmal ausgiebig zu feiern, bevor die Zeit des Verzichts begann.

Die Narrenmesse

Wenn die Narrenkapelle die ersten Töne in der katholischen Stadtkirche St. Peter und Paul anstimmt, entsteht ein besonderer Moment – ein stiller Gänsehaut-Augenblick, der die Fasnetszeit feierlich eröffnet.

Die Narrenmesse findet traditionell am Samstagabend vor dem Zunftball statt. Sie wurde 2012 vom damaligen Ersten Vorsitzenden Michael Borger sowie vom Zunftmeister Daniel Kadasch gemeinsam mit Stadtpfarrer Anton Gruber ins Leben gerufen und verleiht der Weiler Fasnet seither einen ganz eigenen, besinnlichen Auftakt. Die Messe ist öffentlich und steht allen Besucherinnen und Besuchern offen – gerne auch kostümiert.

Seit 2024 wird die Narrenmesse ökumenisch gefeiert. Jedes Jahr greift sie ein aktuelles Thema auf, das mit Musik, Wortbeiträgen und kleinen Spielszenen auf besondere Weise auf die Fasnetszeit einstimmt. Im Anschluss begleitet die Narrenkapelle die Teilnehmenden musikalisch zur Stadthalle, wo der traditionelle Zunftball seinen festlichen Höhepunkt findet.

Die Hallenveranstaltungen

Zunftball und Hexenball

Der Zunftball sowie der Hexenball zählen zu den Höhepunkten der Weiler Fasnet. Beide Abende bieten ein abwechslungsreiches Programm, das von den Narren selbst gestaltet wird. Ein eigenes Programm-Team sorgt Jahr für Jahr für kreative Beiträge, humorvolle Einlagen und närrische Überraschungen, die das Publikum begeistern.

Nach dem offiziellen Programm geht der Abend nahtlos in ausgelassene Feierlaune über. Tanz, Musik und gute Stimmung bestimmen das Geschehen bis spät in die Nacht – für viele Besucherinnen und Besucher ein fester Termin im Fasnetskalender.

Historisch blicken die Hallenveranstaltungen auf eine lange Tradition zurück. Bereits zwischen 1870 und etwa 1914 organisierte die Turngemeinde Weil der Stadt die ersten Maskenbälle. Später folgten Familienbälle in den Gasthäusern Post und Rappen, ehe die Fasnetsbälle in den 1950er-Jahren im Nebensaal des Café Kepler stattfanden.

Mit der Fertigstellung der Turn- und Festhalle im Jahr 1970 fand die Narrenzunft schließlich ideale Bedingungen für ihre Hallenveranstaltungen. Seither ist es Tradition, dass der Zunftball vier Wochen und der Hexenball zwei Wochen vor dem Fasnetssonntag stattfinden. Den Abschluss bildet der Käpselesball für den närrischen Nachwuchs am Mittag des Fasnetsdienstags.

Der Narrensprung

Die Narren übernehmen die Regentschaft

Eine Woche vor dem Fasnetssonntag übernehmen die Weiler Narren symbolisch die Macht in der Stadt. Auf dem Marktplatz beginnt das närrische Treiben, bevor ein kleiner Umzug mit allen Gruppen der Weiler Fasnet durch die Innenstadt zieht.

Die Maskengruppen stürmen anschließend das Rathaus, werfen überflüssige Akten aus den Fenstern und stellen den noch amtierenden Schultes zur Rede. Unter lautstarker Begleitung aller Weiler Städter Musikkapellen wird er gefesselt vor den Siebenerrat geführt.

Dort werden ihm schwerwiegende Vergehen gegenüber der närrischen Bürgerschaft zur Last gelegt. Mit der Verlesung des närrischen Regierungsprogramms endet seine Amtszeit bis Aschermittwoch, und die Herausgabe des Rathausschlüssels besiegelt den Machtwechsel. Von diesem Moment an liegt die Regentschaft fest in närrischer Hand.

Nach dem offiziellen Teil verlagert sich das Geschehen in die örtlichen Wirtschaften. Dort wird gemeinsam gefeiert, gelacht und geschunkelt – bis spät in die Nacht. Der Narrensprung ist damit nicht nur ein symbolischer Umsturz, sondern zugleich der Auftakt zu den heißen Tagen der Weiler Fasnet, in denen das närrische Treiben endgültig die Stadt bestimmt.

»Onsr Großvatter mütterlicherseits isch aus Schömberg bei Rottweil mit seiner traditionella Fasnet enn onser Städle komma. Er war Zemmermo ond hat o. a. dr erschte Boomstamm für´d 7-er-Rät g´macht. Von eam wird enn dr Familie verzehlt, dass er am Schmotziga aus emm Haus isch on am Aschermittwoch wieder hoim komma isch. Onsr Tante Böttinger war oine von de weibliche 7-erRät(inna), an de Gene fehlt's somit sicher net. Onsr, mit ihrer Mischong aus Narra, Musik, Wage on mit a bissle Karneval, vielfäldiche Fasnet ko mr oifach net missa. "S´ghot dagega!!!".«

Karlfriedrich Blumhardt

Ehrenvorsitzender

»Schmotziger Dorschdich«

Der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit, mit dem endgültig die Hauptfastnachtstage anbrechen, wird als „Schmotziger“ bezeichnet, was soviel wie „schmalzig“ oder „fettig“ bedeutet, da früher an diesem Tag letztmalig vor dem Aschermittwoch geschlachtet wurde oder kalorienreiche Fasnetsküchle in Schmalz gebacken wurden.

In Weil der Stadt beginnt der „Schmotzige Dorschdich“ abends mit der Narreten Gemeinderatssitzung – der ersten Amtshandlung der närrischen Regierung nach Übernahme der Regierungsgewalt am Narrensprung. Der Zunftmeister eröffnet mit dem Siebenerrat die Sitzung mit Brezel und Most. In dieser Sitzung kommt dann das „Regierungsprogramm“ der närrischen Regierung zur Diskussion und Abstimmung, wobei manche lokalpolitische Begebenheit aufs Korn genommen wird.

Im Anschluss daran beweisen die Weiler Hexen und unfreiwillige Neugierige aus der ersten Reihe mit einem Sprung über das hochlodernde Hexenfeuer ihren Mut. Bis tief in die Nacht herrscht ein reges Treiben in den Lokalen und Gassen der Stadt.

Fasnetssonntag: Großer traditioneller Fasnetsumzug

Der Fasnetssonntag ist der Höhepunkt der Weiler Fasnet. Während er ursprünglich als „Tag des Herrn“ galt und kaum Raum für närrische Aktivitäten bot, entwickelte er sich im Laufe der Zeit zum zentralen Termin der Fastnacht. Die religiöse Prägung trat in den Hintergrund, und der Tag wurde zum festen Bestandteil des närrischen Treibens in den Fasnachtshochburgen.

In Weil der Stadt säumen am Fasnetssonntag über 30.000 Menschen aus nah und fern den Umzugsweg. Rund zwei Stunden lang zieht der große Fasnetsumzug mit mehr als 2.000 Teilnehmenden durch die Straßen der Stadt. Maskengruppen, Musikkapellen und Motivwagen sorgen für ein farbenfrohes, lebendiges Bild und begeistern Jung und Alt gleichermaßen.

Eine besondere Rolle spielen dabei die Motivwagen. Mit viel Kreativität, handwerklichem Können und Liebe zum Detail greifen sie aktuelle Themen auf und verleihen der Weiler Fasnet ihr unverwechselbares Gesicht. Sie sind Ausdruck der Vielfalt, des Ideenreichtums und der Leidenschaft, mit der die Fasnet in Weil der Stadt gelebt wird.

Höhepunkt

Fasnetsdienstag – Die Kinderfasnet

Der Fastnachtsdienstag ist, wie auch in vielen anderen Gemeinden, dem Narrensamen (in Weil der Stadt der „Wuseleswar“ genannt) vorbehalten. Nach dem morgendlichen Besuch der Kindergärten mit Pauken und Trompeten und dem am frühen Nachmittag stattfindenden Kinderumzug durch die Innenstadt, bahnt sich der Narrensamen seinen Weg zum Käpselesball in der Stadthalle. Dort erwartet die Kinder ein buntes Programm mit Spiel, Tanz und Musik. Auch in den Lokalen herrscht buntes Narrentreiben.

Am Spätnachmittag und mit Einbruch der Dämmerung macht sich jedoch zunehmend ein leichter Stimmungsumbruch bemerkbar, da die letzten Stunden der Fasnet für die Narren anbrechen. In den Fasnachtshochburgen, in denen eine ganz bestimmte, lokale Symbolfigur für die närrischen Tage steht, wird die Fasnacht mit zu Herzen gehenden Veranstaltungen verabschiedet.

Die Fasnetsverbrennung am Aschermittwoch

Kurz vor Mitternacht versammelt sich die gesamte Zunft auf dem Marktplatz. Begleitet von den wehmütigen Klängen der Narrenkapelle wird die Narrenfahne eingeholt. Anschließend begibt sich der Fackelzug zum Narrenbrunnen, wohin die Fasnet sodann – symbolisch in Form einer Strohpuppe auf einer Bahre – zur Verbrennung getragen wird. Unter tränenreichem Wehklagen der Narren wird schließlich die Fasnet verbrannt. Die närrische Bevölkerung verbleibt am Feuer, bis die letzte Glut erloschen ist.

Die emotionale Leere nach Mitternacht hält sich aber in Grenzen, denn in den ganzen Katzenjammer mischt sich der Ruf „s`goht da'gega“, der durch das Anspielen des Zunftliedes durch die Narrenkapelle getragen wird.

Geschichte der Weiler Fasnet

 Die ersten Zeugnisse der Weil der Städter Fasnet reichen fast bis ins Mittelalter zurück. Während der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert organisierten sich nach und nach Gruppen und führten Schauspiele auf dem Marktplatz auf.