Narrenfahrplan der Weiler Fasnet
Fasnetseröffnung
Der 11.11. um 11.11 Uhr
Mit dem 11. November beginnt in Weil der Stadt ganz offiziell die neue Fasnetssaison. Punkt 11.11 Uhr wird der Startschuss gegeben. Symbolisch wird die noch junge Fasnet erweckt: In Gestalt einer kleinen Hexe entsteigt sie der Zunftlade.
An der Fasnetseröffnung nehmen der Siebenerrat, das Ballett, die Narrenkapelle sowie die Zigeuner und Clowns der Narrenzunft teil. Die Maskengruppen bleiben an diesem Tag bewusst noch im Hintergrund: Sie dürfen erst ab dem 6. Januar des darauffolgenden Jahres in Erscheinung treten und ihr Häs anlegen.
Kirchenhistorisch gilt der Martinstag als sogenanntes Schwellen- oder Übergangsdatum. In Anlehnung an die vierzigtägige Osterfastenzeit wurde auch die vorösterliche Fastenperiode bereits früh auf vierzig Tage festgelegt – rückgerechnet vom Erscheinungsfest unter Auslassung der Samstage und Sonntage. Der Martinstag markierte dabei den letzten Übergang vor der Fastenzeit.
So war der 11. November für die Bevölkerung – ganz ähnlich wie die Fastnacht selbst – die letzte Gelegenheit, noch einmal ausgiebig zu feiern, bevor die Zeit des Verzichts begann.
Die Narrenmesse
Wenn die Narrenkapelle die ersten Töne in der katholischen Stadtkirche St. Peter und Paul anstimmt, entsteht ein besonderer Moment – ein stiller Gänsehaut-Augenblick, der die Fasnetszeit feierlich eröffnet.
Die Narrenmesse findet traditionell am Samstagabend vor dem Zunftball statt. Sie wurde 2012 vom damaligen Ersten Vorsitzenden Michael Borger sowie vom Zunftmeister Daniel Kadasch gemeinsam mit Stadtpfarrer Anton Gruber ins Leben gerufen und verleiht der Weiler Fasnet seither einen ganz eigenen, besinnlichen Auftakt. Die Messe ist öffentlich und steht allen Besucherinnen und Besuchern offen – gerne auch kostümiert.
Seit 2024 wird die Narrenmesse ökumenisch gefeiert. Jedes Jahr greift sie ein aktuelles Thema auf, das mit Musik, Wortbeiträgen und kleinen Spielszenen auf besondere Weise auf die Fasnetszeit einstimmt. Im Anschluss begleitet die Narrenkapelle die Teilnehmenden musikalisch zur Stadthalle, wo der traditionelle Zunftball seinen festlichen Höhepunkt findet.
Die Hallenveranstaltungen
Zunftball und Hexenball
Der Zunftball sowie der Hexenball zählen zu den Höhepunkten der Weiler Fasnet. Beide Abende bieten ein abwechslungsreiches Programm, das von den Narren selbst gestaltet wird. Ein eigenes Programm-Team sorgt Jahr für Jahr für kreative Beiträge, humorvolle Einlagen und närrische Überraschungen, die das Publikum begeistern.
Nach dem offiziellen Programm geht der Abend nahtlos in ausgelassene Feierlaune über. Tanz, Musik und gute Stimmung bestimmen das Geschehen bis spät in die Nacht – für viele Besucherinnen und Besucher ein fester Termin im Fasnetskalender.
Historisch blicken die Hallenveranstaltungen auf eine lange Tradition zurück. Bereits zwischen 1870 und etwa 1914 organisierte die Turngemeinde Weil der Stadt die ersten Maskenbälle. Später folgten Familienbälle in den Gasthäusern Post und Rappen, ehe die Fasnetsbälle in den 1950er-Jahren im Nebensaal des Café Kepler stattfanden.
Mit der Fertigstellung der Turn- und Festhalle im Jahr 1970 fand die Narrenzunft schließlich ideale Bedingungen für ihre Hallenveranstaltungen. Seither ist es Tradition, dass der Zunftball vier Wochen und der Hexenball zwei Wochen vor dem Fasnetssonntag stattfinden. Den Abschluss bildet der Käpselesball für den närrischen Nachwuchs am Mittag des Fasnetsdienstags.
Der Narrensprung
Die Narren übernehmen die Regentschaft
Eine Woche vor dem Fasnetssonntag übernehmen die Weiler Narren symbolisch die Macht in der Stadt. Auf dem Marktplatz beginnt das närrische Treiben, bevor ein kleiner Umzug mit allen Gruppen der Weiler Fasnet durch die Innenstadt zieht.
Die Maskengruppen stürmen anschließend das Rathaus, werfen überflüssige Akten aus den Fenstern und stellen den noch amtierenden Schultes zur Rede. Unter lautstarker Begleitung aller Weiler Städter Musikkapellen wird er gefesselt vor den Siebenerrat geführt.
Dort werden ihm schwerwiegende Vergehen gegenüber der närrischen Bürgerschaft zur Last gelegt. Mit der Verlesung des närrischen Regierungsprogramms endet seine Amtszeit bis Aschermittwoch, und die Herausgabe des Rathausschlüssels besiegelt den Machtwechsel. Von diesem Moment an liegt die Regentschaft fest in närrischer Hand.
Nach dem offiziellen Teil verlagert sich das Geschehen in die örtlichen Wirtschaften. Dort wird gemeinsam gefeiert, gelacht und geschunkelt – bis spät in die Nacht. Der Narrensprung ist damit nicht nur ein symbolischer Umsturz, sondern zugleich der Auftakt zu den heißen Tagen der Weiler Fasnet, in denen das närrische Treiben endgültig die Stadt bestimmt.
