Geschichte der Weiler Fasnet
Zwischen Brauchtum, Wandel und gelebter Tradition
Die ersten Zeugnisse der Weiler Fasnet reichen fast bis ins Mittelalter zurück. Eine klar organisierte Fastnacht mit einheitlichen Masken und festem Häs, wie man sie etwa aus Rottweil oder Elzach kennt, existierte in Weil der Stadt jedoch lange Zeit nicht.
Vielmehr entwickelte sich das närrische Treiben über Jahrhunderte hinweg in wechselnden Formen und Ausprägungen. Erst um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert begannen sich feste Gruppen zu organisieren und traten mit Schauspielen und Darstellungen auf dem Marktplatz in Erscheinung. In diese Zeit fällt auch der erste Auftritt der Zigeunergruppe. Durch Krieg und das behördliche Verbot der Fastnacht in der Nachkriegszeit war das Fortbestehen des Brauchs jedoch zeitweise ernsthaft gefährdet.
Erst mit der Gründung der Narrenzunft Weil der Stadt e. V. kehrte Kontinuität in das närrische Treiben zurück. Sie legte den Grundstein für die heutige Weiler Fasnet und schuf die Strukturen, die es ermöglichten, Tradition zu bewahren und zugleich weiterzuentwickeln – getragen von Generationen von Narren bis in die Gegenwart.
Immaterielles Kulturerbe
In der fröhlichen Ausgelassenheit der Fasnet scheinen die Ordnungen des Alltags außer Kraft gesetzt zu sein. In der schwäbisch-alemannische Fasnacht leben jahrhundertealte Traditionen fort. Alljährlich zieht sie tausende Menschen an und stellt ein wichtiges Element lokaler, regionaler und gesamteuropäischer Identität dar.
Darum wurde die Fasnacht von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu diesen Narrenzünften zählt seit 2020 auch Narrenzunft „AHA“ Weil der Stadt.
»Fasnet isch für mich eine tiefe innere Freude – weil Fasnet verbindet Menschen und macht oifach nur glücklich. Ich glaube es wäre für mich undenkbar, die „Hauptfasnet“ net in unserem Städtle erleben zu dürfen.«
Michael Borger
Chronik der Weiler Fasnet
Vom Mittelalter bis in die 1960er Jahre
Früheste Erwähnung
Früheste Erwähnung der Fastnacht in der Reichstadt Weil: Der Pfarrer klagt über die hohen Kosten für die Fastnachtsküchlein, die er spendieren muss (Hirsauer Urkunde).
Wein und Brot
Die Nacht- und Turmwächter bekommen „altem Brauch nach“ an der Fastnacht vom Rat Wein und Brot als Gabe.
Erste Verkleidung
Ältester Beleg für Verkleidung an der Fastnacht. Vier Bürger aus Weil erhalten wegen „mutwilliger Mummerey“
(Verkleidung) eine Turmstrafe.
Ehrlicher Tanz wird erlaubt
Der Rat erlaubt den jungen Handwerksgesellen „aus Gnad“ einen ehrlichen Tanz an der Fastnacht.
Ratssitzung entfällt
Der Rat lässt seine Sitzung am Fastnachtsdienstag ausfallen
»Masque Laufen« wird verboten
Der Rat verbietet zehnmal das „Masque Laufen“ und verhängt Turmstrafen gegen Narren, erlaubt aber Musik und Tanz.
Narrenstall
Ein Vermummter wird in den „Narrenstall“ gesperrt.
Kirchenspott wird bestraft
Vier Männer werden wegen Verspottung kirchlicher Zeremonien bestraft. Sie hatten am Aschermittwoch
die Fastnacht zu Grabe getragen.
»Masque Laufen« wird erneut verboten
Der Rat verbietet das „Masque Laufen“, weil daraus „Unheil und Ausgelassenheit“ entstehen könne.
Karneva-lisierung
Zunehmende „Karnevalisierung“ unter dem Einfluss des rheinischen Karnevals.
Straßenfast-nacht kommt zum Erliegen
Das Maskierungsverbot der neuen württembergischen Obrigkeit bringt die Straßenfastnacht fast zum Erliegen.
Erster Ball
Erste Erwähnung eines Fastnachtsballs.

Erste Zigeuner
Erster Beleg für das Auftreten einer Gruppe in Zigeunerkostümen.
Erstes Narrenblatt erscheint
Das erste Narrenblatt wird gedruckt.

Fastnachts-spiele
Beginn der über 60-jährigen Tradition der Fastnachtsspiele auf dem Marktplatz mit 28 Aufführungen bis zum Ersten Weltkrieg. Bildungsbürgerliche „Veredelung“ der Fastnacht. Die Trägerin ist dabei die Turngemeinde. Man spielt Szenen aus klassischen Schauspielen, z. B. „Wilhelm Tell“. Den Anfang macht 1863 das Stück „Der Krähwinkeler Landsturm“.
Es folgen weitere Aufführungen von Szenen der Stücke „Jungfrau von Orleans“, „Die Räuber“, „Andreas Hofer“ und „Wallensteins Lager“ in den Jahren 1874, 1876, 1880, 1886, 1898 und 1903.

»Die Jungfrau von Orleans«
Szenen aus Schillers „Jungfrau von Orleans“ werden vor 3.000 Zuschauern aufgeführt.

Letztes Fastnachts-spiel
Letztes Fastnachtsspiel der Turngemeinde: „Götz von Berlichingen“.
Weitere karneva-listische Einflüsse
Die Fasnet in Weil der Stadt weist vermehrt karnevalistische Elemente auf. Maskenbälle und Kappenabende der
verschiedenen Vereine und Gruppen finden in allen Gasthäusern statt und prägen das Bild der Weiler Fasnet.
Erste Bälle im »Keplersaal«
Die Zeit der Maskenbälle im neuen „Keplersaal“ beginnt.
Erster Umzug
Erster Umzug der Narrenzunft »AHA« mit Siebenerrat und originellen Einzelgruppen.
Vorkriegs-jahre
Bis zum Kriegsbeginn finden jährliche Umzüge mit teilweise politischen Motivwagen statt.
Kriegs- und Nachkriegs-jahre
In der Zeit während des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Nachkriegsjahren gibt es keine öffentliche Fasnet in Weil der Stadt.
Erster Umzug nach dem Krieg
Erster Nachkriegs-Umzug, dem in unregelmäßigen Abständen weitere folgen.

Entstehung der Hexengruppe
Gründung der „Weiler Hexen“ als erste schwäbisch-alemannische Maskengruppe in Weil der Stadt.

Der weibliche Siebenerrat
Regentschaft des ersten weiblichen Siebenerrats.
Eintragung ins Vereins-register
Die Narrenzunft »AHA« Weil der Stadt wird offiziell ins Vereinsregister eingetragen.
Wir suchen alte Fotos!
Schick uns deine Bilder gerne per E-Mail an mediateam@narrenzunft-aha.de – wir nehmen sie gern in unsere Online-Galerie auf.
