Der Wagenbau im Spitt'l

Schon seit jeher gehören die Fasnetswagen untrennbar zum großen Umzug in Weil der Stadt – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Jahr für Jahr rollen beim Großen Umzug bis zu 20 liebevoll und aufwendig selbstgebaute Wagen durch die Straßen und ziehen die Blicke der Zuschauer auf sich. 

Dabei ist über die Jahre nicht nur die Anzahl, sondern vor allem die Qualität stetig gewachsen: Erfahrung, handwerkliches Know-how und eine immer größere Themenvielfalt haben den Wagenbau zu dem gemacht, was er heute ist – ein echtes Aushängeschild der Weiler Fasnet.

Wenn aus einer Skizze fahrende Kunstwerke werden

Von der ersten Zeichnung bis zum letzten Handgriff vergehen viele Wochen voller Arbeit, Kreativität und Herzblut. Zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer treffen sich nach Feierabend und an den Wochenenden im Weiler Spitalhof, sägen, schrauben, malen und tüfteln – immer mit einem Ziel vor Augen: Die Wagen rechtzeitig zur Fasnet auf die Straße zu bringen. 

Und dann kommt dieser Moment am Fasnetssonntag, wenn sich die fertigen Kunstwerke erstmals durch die engen Gassen schlängeln, die Musik erklingt und das Publikum begeistert reagiert. Spätestens dann ist klar: Jede einzelne Stunde, jede Mühe und jeder schmerzende Muskel haben sich mehr als gelohnt.

Geschichte des Wagenbaus

Die ersten Fasnetswagen

Zum Fasnetsumzug werden erstmals eigene Wagen in verschiedenen Hinterhöfen gebaut:

  • Grüner Baum

  • Im Juden (heute Calwer Tor)

  • Gasthaus Löwen

  • beim Flaschner Diebold

  • beim Schreiner Buhl

1935
Der letzte Umzug vor dem Krieg

Der Umzug findet letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg statt. In den Folgejahren gibt es keine Wägen und keinen Umzug.

1949
Der Spittel öffnet seine Türen

Spital-Gutsverwalter Siegfried Hermann und seine Frau Rosa erlauben den Bau von Fasnetswagen erstmals in der Werkstatt des "Spittls".

1969
Mehr Platz für den Wagenbau

Die Landwirtschaft im "Spittl" endet. Die Narrenzunft erhält drei große Scheunen – nur eine davon beheizt. Mit dem neuen Raum steigt das Niveau der Wagen weiter sichtbar an: größer, breiter, kreativer, anspruchsvoller.

1970er–1990er
Der große Spitalbrand

Durch Brandstiftung brennt der gesamte hintere Trakt des "Spittls" nieder. Alle Requisiten gehen verloren. Am Brandort entsteht der Leitsatz, der bis heute gilt:

„So war es – so soll es wieder werden!“

2000/2001
Moderner Wagenbau

Bereits 2002 entstehen im Rohbau die ersten Wagen. Am 05.09.2003 wird das neue "Spital" feierlich eingeweiht – und ist seither wieder das Herz des Wagenbaus.

1920
Einfluss der Nationalsozialisten

Die Themen der Wagen werden von den Nazis kontrolliert und mitbestimmt.

1939
Der Neubeginn

Schon wenige Jahre nach dem Krieg zählt Weil der Stadt zu den ersten Orten, in denen wieder ein Fasnetsumzug möglich ist. Die Mischung aus Musik, Gruppen und selbstgebauten Wagen begeistert tausende Zuschauer.

1963
Der Spittel wird offizielles Wagenbauzentrum

Der "Spittl" wird das feste Zuhause des Wagenbaus. Damit beginnt eine Ära wachsender Kreativität, größerer Technik und professionellerem Arbeiten.

1972
Die starken Männer des Wagenbaus

Über Jahrzehnte prägten sie den modernen Wagenbau und seine Qualität: Heinz Jurtz, Norbert Kunz, Horst Schönhardt, Max Holdenried, Otto und Michael Borger, Martin Gairhos und Thomas Buhl. Durch ihr handwerkliches Können entstanden immer größere, kreativere und technisch ausgefeiltere Wagen.

11.11.1999
Wiederaufbau des Wagenbaus

Im Jahr 2000 entstehen provisorische Bauplätze („Wolldecke“), und das Bauunternehmen Stäbler stellt kostenlos Hallen zur Verfügung. 2001 beschließt der Gemeinderat der Stadt Weil der Stadt den Neubau des "Spittls" am gleichen Standort.

2002 bis heute

Die Stadtdekoration

Als kleine, aber unverzichtbare Untergruppe des Wagenbaus hat sich die Stadt-Dekoration etabliert. Ins Leben gerufen wurde sie in den 1970er-Jahren von einem Team rund um Bernd Kleespieß.

Heute besteht die Gruppe aus etwa 20 engagierten Helferinnen und Helfern, die sich Jahr für Jahr nach dem Dreikönigstag samstags in der Stadt treffen. Mit viel Liebe zum Detail schmücken sie die Straßen innerhalb der Stadtmauer, durch die der Große Umzug führt, mit unzähligen bunten Fähnle. Zusätzlich werden an ausgewählten Türmen der Stadtmauer große, weithin sichtbare Fahnen angebracht – ein unübersehbares Zeichen, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Spätestens wenn die Innenstadt bis zum Narrensprung in allen Farben leuchtet, ist für jeden klar: “Jetzt isch Fasnet im Städtle”.

Stadtdekorationsteam der Narrenzunft Weil der Stadt
Hallendekorationsteam der Narrenzunft AHA Weil der Stadt

Die Hallendekoration

In der Stadthalle Weil der Stadt bilden die Fasnetsbälle Jahr für Jahr den glanzvollen Rahmen für ausgelassene Abende voller Stimmung und Narretei. Eine kleine, engagierte Gruppe von rund zehn Personen – organisatorisch dem Programm-Team zugeordnet – trifft sich jeweils freitags vor den Bällen, um der Halle ihr ganz besonderes Fasnets-Gesicht zu verleihen.

Gemeinsam mit dem Programm-Team wird die Halle passend zum jeweiligen Ballmotto geschmückt, aufgebaut und nach den Veranstaltungen wieder abgebaut. Dieses enge Zusammenspiel und der gemeinsame Einsatz schaffen ein stimmiges Gesamtbild und unterstreichen das besondere Flair, das die Fasnetsbälle in Weil der Stadt so einzigartig macht.