Der Wagenbau im Spitt'l
Schon seit jeher gehören die Fasnetswagen untrennbar zum großen Umzug in Weil der Stadt – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Jahr für Jahr rollen beim Großen Umzug bis zu 20 liebevoll und aufwendig selbstgebaute Wagen durch die Straßen und ziehen die Blicke der Zuschauer auf sich.
Dabei ist über die Jahre nicht nur die Anzahl, sondern vor allem die Qualität stetig gewachsen: Erfahrung, handwerkliches Know-how und eine immer größere Themenvielfalt haben den Wagenbau zu dem gemacht, was er heute ist – ein echtes Aushängeschild der Weiler Fasnet.
Wenn aus einer Skizze fahrende Kunstwerke werden
Von der ersten Zeichnung bis zum letzten Handgriff vergehen viele Wochen voller Arbeit, Kreativität und Herzblut. Zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer treffen sich nach Feierabend und an den Wochenenden im Weiler Spitalhof, sägen, schrauben, malen und tüfteln – immer mit einem Ziel vor Augen: Die Wagen rechtzeitig zur Fasnet auf die Straße zu bringen.
Und dann kommt dieser Moment am Fasnetssonntag, wenn sich die fertigen Kunstwerke erstmals durch die engen Gassen schlängeln, die Musik erklingt und das Publikum begeistert reagiert. Spätestens dann ist klar: Jede einzelne Stunde, jede Mühe und jeder schmerzende Muskel haben sich mehr als gelohnt.
Geschichte des Wagenbaus
Die ersten Fasnetswagen
Zum Fasnetsumzug werden erstmals eigene Wagen in verschiedenen Hinterhöfen gebaut:
Grüner Baum
Im Juden (heute Calwer Tor)
Gasthaus Löwen
beim Flaschner Diebold
beim Schreiner Buhl
Der letzte Umzug vor dem Krieg
Der Umzug findet letztmals vor dem Zweiten Weltkrieg statt. In den Folgejahren gibt es keine Wägen und keinen Umzug.
Der Spittel öffnet seine Türen
Spital-Gutsverwalter Siegfried Hermann und seine Frau Rosa erlauben den Bau von Fasnetswagen erstmals in der Werkstatt des "Spittls".
Mehr Platz für den Wagenbau
Die Landwirtschaft im "Spittl" endet. Die Narrenzunft erhält drei große Scheunen – nur eine davon beheizt. Mit dem neuen Raum steigt das Niveau der Wagen weiter sichtbar an: größer, breiter, kreativer, anspruchsvoller.
Der große Spitalbrand
Durch Brandstiftung brennt der gesamte hintere Trakt des "Spittls" nieder. Alle Requisiten gehen verloren. Am Brandort entsteht der Leitsatz, der bis heute gilt:
„So war es – so soll es wieder werden!“
Moderner Wagenbau
Bereits 2002 entstehen im Rohbau die ersten Wagen. Am 05.09.2003 wird das neue "Spital" feierlich eingeweiht – und ist seither wieder das Herz des Wagenbaus.
Einfluss der Nationalsozialisten
Die Themen der Wagen werden von den Nazis kontrolliert und mitbestimmt.
Der Neubeginn
Schon wenige Jahre nach dem Krieg zählt Weil der Stadt zu den ersten Orten, in denen wieder ein Fasnetsumzug möglich ist. Die Mischung aus Musik, Gruppen und selbstgebauten Wagen begeistert tausende Zuschauer.
Der Spittel wird offizielles Wagenbauzentrum
Der "Spittl" wird das feste Zuhause des Wagenbaus. Damit beginnt eine Ära wachsender Kreativität, größerer Technik und professionellerem Arbeiten.
Die starken Männer des Wagenbaus
Über Jahrzehnte prägten sie den modernen Wagenbau und seine Qualität: Heinz Jurtz, Norbert Kunz, Horst Schönhardt, Max Holdenried, Otto und Michael Borger, Martin Gairhos und Thomas Buhl. Durch ihr handwerkliches Können entstanden immer größere, kreativere und technisch ausgefeiltere Wagen.
Wiederaufbau des Wagenbaus
Im Jahr 2000 entstehen provisorische Bauplätze („Wolldecke“), und das Bauunternehmen Stäbler stellt kostenlos Hallen zur Verfügung. 2001 beschließt der Gemeinderat der Stadt Weil der Stadt den Neubau des "Spittls" am gleichen Standort.
Die Stadtdekoration
Als kleine, aber unverzichtbare Untergruppe des Wagenbaus hat sich die Stadt-Dekoration etabliert. Ins Leben gerufen wurde sie in den 1970er-Jahren von einem Team rund um Bernd Kleespieß.
Heute besteht die Gruppe aus etwa 20 engagierten Helferinnen und Helfern, die sich Jahr für Jahr nach dem Dreikönigstag samstags in der Stadt treffen. Mit viel Liebe zum Detail schmücken sie die Straßen innerhalb der Stadtmauer, durch die der Große Umzug führt, mit unzähligen bunten Fähnle. Zusätzlich werden an ausgewählten Türmen der Stadtmauer große, weithin sichtbare Fahnen angebracht – ein unübersehbares Zeichen, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Spätestens wenn die Innenstadt bis zum Narrensprung in allen Farben leuchtet, ist für jeden klar: “Jetzt isch Fasnet im Städtle”.
Die Hallendekoration
In der Stadthalle Weil der Stadt bilden die Fasnetsbälle Jahr für Jahr den glanzvollen Rahmen für ausgelassene Abende voller Stimmung und Narretei. Eine kleine, engagierte Gruppe von rund zehn Personen – organisatorisch dem Programm-Team zugeordnet – trifft sich jeweils freitags vor den Bällen, um der Halle ihr ganz besonderes Fasnets-Gesicht zu verleihen.
Gemeinsam mit dem Programm-Team wird die Halle passend zum jeweiligen Ballmotto geschmückt, aufgebaut und nach den Veranstaltungen wieder abgebaut. Dieses enge Zusammenspiel und der gemeinsame Einsatz schaffen ein stimmiges Gesamtbild und unterstreichen das besondere Flair, das die Fasnetsbälle in Weil der Stadt so einzigartig macht.